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Heidi ist ein fröhliches Kind. Es mag etwa so alt
sein wie du. Seine hellen Augen glänzen. Verwöhnt
ist es aber gar nicht. Man muss eher Mitleid mit ihm haben.
Es hat früh seine Eltern verloren, zuerst den Vater,
dann die Mutter. Bisher ist es bei fremden Leuten
aufgewachsen. Von jetzt an können sie nicht mehr
für dieses Kind sorgen. Wohin soll Heidi jetzt
kommen?
Auf eine Alp! Eine Tante führt das kleine Kind
hinauf zum «Öhi». So nennen alle Leute einen
alten, bärtigen Mann, der ganz allein hoch oben am Berg
wohnt. Er lebt dort in einer niederen Steinhütte, weit
weg vom Dörfli, weit weg von den andern Menschen. Er
soll ein rauher, bärbeissiger Mann sein. Aber er ist
Heidis Grossvater. Wird es Heidi beim «Öhi»
gefallen? Wird der «Öhi» sich freuen, wenn
das Heidi zu ihm kommt?
Es darf beim «Öhi» bleiben. Er redet zwar
nicht viel; aber er richtet ihm auf dem Heuboden ein
Schlafplätzchen ein. Es liegt dort in der Nacht nahe
unter dem Steinplattendach. Da gefällt es Heidi. Es
gefällt ihm überhaupt beim Grossvater. Feine Milch
stellt er ihm auf. Goldgelben Käse darf es essen. Und
zwei Geissen hat der «Öhi» im Stall! Die
weisse Geiss heisst Schwänli und die braune Bärli.
Die werden bald Heidis Freundinnen. Es kennt sie von weitem.
Auch sie kennen das fröhliche Heidi-Kind und meckern
lustig, sobald sie es sehen. Heidi möchte gar nicht
mehr ins Tal hinunter. Hier oben scheint die Sonne so hell.
Hier oben riecht es so gut nach würzigen
Kräutlein. Hier rauschen die Tannen so mächtig.
Hier singen die Vöglein so schön!
Der «Öhi» steht vor seiner Hütte. Er
raucht seine Pfeife und schaut ins Tal hinab. Es ist
früh am Morgen. Ob Peter noch nicht kommt? Wer ist
Peter? Den muss man kennen! Der Geissen-Peter wohnt unten im
Dörfli und kommt alle Tage hier vorbei mit seiner
Herde. Er hütet die Dörfli-Geissen droben auf der
Weide, ganz nahe bei den Felsen. Heidi darf Peter begleiten.
Wie es sich freut! So viele Geissen hat es noch gar nie
gesehen. Da steht der «Türk» mit
mächtigen Hörnern. Daneben glöckelt der
«Distelfink», eine besonders hurtige Geiss. Und
schau dort, ein molliges, kleines weisses Geisslein!
«Schneeböppli» heisst es. Heidi umarmt das
niedliche Tierlein. Wie es bimmelt droben auf der Weide,
wenn alle Geissen ihr Futter suchen! Das tönt fast wie
Musik. Wie schön ist's doch auf der Weide! Ganz
besonders schön, wenn die Sonne untergeht! Alle Felsen
werden rot. Das leuchtet wie Feuer. Heidi kann sich gar
nicht sattsehen. Es möchte jeden Tag mit Peter und
seinen Geissen auf die Weide gehen. Peter ist zufrieden. Er
hat ganz gern eine muntere Kameradin.
Kennst du Klara? Sie ist weither aus Deutschland, aus
einer grossen Stadt gekommen. Klara ist etwas älter als
Heidi. Sie muss leider den ganzen Tag in einem Rollstuhl
sitzen; sie kann nicht gehen. Sie ist gelähmt. Unser
Heidi freut sich trotzdem über den Besuch. Klara ist
seine Freundin. Wieviel es ihr hier oben zeigen kann! Gewiss
wird die kräftige Alpenluft dem bleichen Mädchen
aus der Stadt gut tun. Oh, Klara wird es hier oben gewiss
auch gefallen!
Der Geissen-Peter aber ist nicht zufrieden. Nun soll er
das lustige Heidi mit der fremden Klara teilen. Das
gefällt ihm gar nicht. Er stellt sogar regelrecht
Dummheiten an. Der Rollstuhl geht dabei in die Brüche.
Dummer Peter! Aber es kommt trotzdem alles gut heraus. Weil
der Rollstuhl fehlt, versucht Klara zu gehen. Alle helfen!
Gelingt's? Ja, Klara lernt langsam, langsam und dann immer
besser gehen. Welch ein Wunder! Alle freuen sich. Wer freut
sich am allermeisten? Ganz gewiss unser tapferes, kluges,
fröhliches Heidi!
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